Archiv für die Kategorie ‘GeschreibedassdieWeltnichtbraucht’
´N Blog, wie originell, nech…
ich weiß, macht jeder, ist aber auch am einfachsten, also mach ich das auch, da nicht jeder studivz hat, um sich bilder anzusehen, bzw. man da schlecht ellenlange texte schreiben kann – oder myspace, wo man das könnte, aber sich auch anmelden muss. dem gegenüber ist so´n frei verfügbarer blog doch echt einfach. also ruhig ab und zu mal checken, wenn ihr an meinem unglaublich interessanten leben interessiert seid
aber darüber hinaus hab ich nicht nur mein leben online gestellt, sondern auch mal n paar alte kolumnen und so, die zum teil mal irgendwo veröffentlicht wurden. da pack ich die tage noch n bisken mehr mediales zeug online, wenn ich etwas mehr zeit habe…
Hört auf zu denken!
Zu eurem eigenen Wohl natürlich, nicht zu dem der Anderen. Das könnte man ja als erstes denken, wenn man menschlich ist und sich Gedanken um Andere macht – es wäre sicherlich vielfach auch angebracht, wenn man ehrlich ist, aber darum geht es gerade eigentlich nicht. Obwohl?!
In meiner morgendlichen Verschlafenheit stöbere ich gerade im Internet durch diverse News-Portale und bin soeben auf folgende Schlagzeile gestossen: „Texteingabe per Gedankenübertragung“. Im Halbschlaf kommt mir „Gedankenübertragung“ gerade etwas zu orwellsch vor, muss ich ja zugeben. Vielleicht bin ich da paranoid, aber ich verwerfe den Gedanken erstmal und lese weiter. Inhaltlich geht es eigentlich darum, dass z.B. total gelähmte Personen die Möglichkeit haben sich zu verständigen und der Umwelt mitteilen zu können. Eine gute Idee ja eigentlich, wenn es denn für solche Zwecke eingesetzt würde. Anscheinend hat ein Forscherteam nun auch geschafft diese Idee umzusetzen, so dass die „Texteingabe per Gedankenübertragung“ tatsächlich langsam Realität wird. Dass Forscher schon lange daran arbeiten, habe ich auch schon mehrfach im Laufe der Zeit gelesen, aber irgendwie war der Gedanke immer sehr abstruss. Nun dachte ich gerade noch recht harmlos an Werbemaßnahmen, die speziell auf Individuuen zugeschnitten sind, so wie man es aus diversen futuristischen Filmen kennt, in denen sich die Plakatwand dem gerade Vorbeiwandelndem anpasst. Utopisch weitergesponnen muss man sich sehr paranoid nur einmal das „Gedankenlesen“ in der Strafverfolgung vorstellen. Nein, nicht in unserer relativ menschlichen Demokratie, sondern in diktatorischen, totalitären Staaten. Auch wenn ich sonst nicht so paranoid bin, aber aus technischer Sicht ist es meistens so, dass wenn erstmal die ersten Möglichkeiten geschaffen wurden, auch die weitere Entwicklung nicht lange auf sich warten lässt. Und als Flop dürfte man das wohl kaum bezeichnen können. Man stelle sich nur das US-Militär als Finanzgeber vor, die sponsern ja so einiges. Eine verdammte unangenehme Utopie – aber dafür bin ich jetzt wach.
timo-broken|kid.
Die Anleitung zur Schlagzeile.
Unglaublich! Dieser Niedergang. Kaum war ich in meinen Tagträumen als grandioser Wohltäter der Nächstenliebe mit einem Preis ausgezeichnet worden, schon stand ich mit einem Fuß in der Zelle.
Vielleicht lag es an dem ziemlich schäbigen Anblick des desaströsen Peugeots 205 meines Mitbewohners, in dem dieser und ich an jenem Abend zu dämmernder Stunde unterwegs waren. Möglicherweise könnte es aber auch an der düsteren Kleidungsweise meinerseits gelegen haben, dass ich einen falschen Eindruck, ein schwer kriminelles ?Man In Black?-Klischee vielleicht, vermittelt habe. Auf jeden Fall war man mir, obgleich meiner Freundlichkeit, auf einmal nicht mehr so freundlich gesonnen.
Aber gut, weiter im Text: Es war also bereits recht dunkel, als wir zur Hauptverkehrszeit in unserem Straßenkreuzer den Beton der stärkstbefahrenen Verkehrspassage unserer Stadt kreuzten, und unser Blick von den Kaninchen ? welche die graugrüne Insel inmitten dieses Verkehrsmolochs bevölkern ? und den dunkel gekleideten Radfahrern ohne Licht abgelenkt wurde. Direkt vor uns ? eine Limousine des oberen Wohlstandes. Sie stand vor der roten Ampel und die Lenkerin hatte sich wohl gedacht, dass sie, ebenso wie die Radfahrer, auch ohne Licht ganz gut durch das Blechgewimmel kommen könnte. Überrascht von so viel leichtsinniger Naivität entsann ich mich meiner Bürgerpflicht und sprang geistesgegenwärtig aus dem Auto, rannte in der Zeitspanne der Rotphase zum Luxusgefährt vor uns und klopfte an die Beifahrertür. Mir wurde wohlwollend entgegen genickt, was ich als Aufforderung ansah, meinem Anliegen nachzukommen, um sie auf ihr Missgeschick hinweisen zu können. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, trat die Fahrerin jedoch voller Entgeisterung aufs Gas, bei noch immer roter Ampel wohlgemerkt. So schnell, wie sie losraste, konnte ich mich gar nicht vom Türgriff lösen (scheiß Bügelgriffe, weiß gar nicht, warum der ADAC die so lobt?!). Während ich sie anschrie: ?Mach dein scheiß Licht an, du F***e?, schleifte sie mich erstmal ein paar Meter mit, was mir ? zum Glück ? nur einen verstauchten Fuß einbrachte.
Obwohl ich mir für diese Tat ziemlich sicher die Auszeichnung ?Kavalier der Straße? der lokalen Tageszeitung eingehandelt hätte, denn nur deswegen bin ich überhaupt zur Tat geschritten, muss die Fahrerin mich wohl fatalerweise als einen der typischen Straßenräuber unserer Großstadt identifiziert haben. Die Zeitungen hier sind ja täglich voll mit Schlagzeilen, wie ?Jugendliche überfielen Autofahrerin auf Hauptverkehrsstraße zur Hauptverkehrszeit durch die Beifahrertür mit Trickbetrugmasche?. Was dachte die denn? Dass ich meine Waffe ziehe, sie durch die Beifahrertür erschieße, dann erst um das Auto renne, um schließlich auf der Fahrerseite einzusteigen und beobachtet von locker tausend Zeugen mit meiner Beute abhaue? Oder dass ich ihr die Handtasche vom Beifahrersitz klaue, um von Polizeibeamten der ansässigen Wache dabei ungläubig angeglotzt zu werden?
Unglaublich, aber dafür, dass ich nun wohl kein niedergeschriebener Kavalier der Straße werde, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich morgen doch noch mit einer Headline im Lokalteil der hiesigen Zeitung lande.
timo|broken|kid * veröffentlicht: ox67
Fruchtfliegen aus der Hölle
Sie sind schlimmer als Mücken, auch wenn diese dafür sorgen, dass man vor lauter Stichen nachts nur im Halbschlaf dämmern kann und es den nächsten Tag juckt wie die Hölle. Und noch schlimmer als normale Fliegen, auch wenn die dafür verantwortlich sind, dass ich Aggressionen schiebe – die Dinger machen mich wirklich wild. Aber sie sind beide erlegbar. Da kann man mit seinen jägerischen Urinstinkten, einer Zeitung und viel Mut tatsächlich noch selbst den Störfaktor beseitigen. Doch Fruchtfliegen?
Fruchtfliegen gibt es jedoch scheinbar endlos. Auch wenn man 100 davon erledigt, schweben scheinbar immer noch 1000 durch die Bude. Ein Zustand, der so nicht zu ertragen ist. Um meine Mitbewohner und mich dieser höllischen Plage a la Heuschreckeninvasion zu entledigen, habe ich das Zepter in die Hand genommen – nein, nicht die Fliegenklatsche, deren Poren sind einfach zu groß für die Viecher – und intensivst Recherche im Internet betrieben, um Herr über sie zu werden – nein, nicht Herr der Fliegen, damn. Es gibt unglaublicherweise abermillionen Tipps, um die fliegende Luftverschmutzung loszuwerden, dabei auch so irrsinnige Vorschläge wie Aufräumen, Pfand entsorgen (Restalk zieht die Viecher noch stärker an als Biomüll) oder eben auch mal den Biomüll rausbringen. So ein Schmarn, ich leb in einer WG, wie soll das funktionieren? Also bin ich erstmal auf der Suche nach einer ordentlichen Chemie-Keule ab in die Stadt gedackelt, um mich mit den Urenkeln chemischer Kampfstoffe zu bewaffnen. Doch denkste, da gibt es kaum was Vernünftiges. Ein Produkt sind Klebestreifen fürs Fenster, was für ein Schwachsinn, die Viecher sind überall, aber nicht am Fenster! Ein anderes war ein Behälter mit so einer Art Essig-Verschnitt, mein Gott, wir leben auf 90qm, wissen die Entwickler eigentlich, wie derbe das durch die Wohnung zieht?! Der Gestankt raubt einem Schlaf und Verstand, beschissen eigentlich, fantastisch andererseits! Es hat auch meinen Mitbewohner aus dem Koma geholt. Also den, der sich für die Sammlung leeren Bierflaschen verantwortlich zeigt. Er hat es verursacht, also warum sollte er schlafen dürfen. Aber als er wieder richtig wach war, kam er dafür auch mit dem besten Vorschlag zur Ausrottung dieser Plage, besser noch als Müll rausbringen und andere ausufernde Ideen. Ökologisch korrekt, nachhaltig und super in der Klima-Bilanz! Darauf muss man ja heutzutage auch achten. Fleischfressende Pflanzen! Die vernichten jede Insektenplage, auch Mücken und Fliegen. Unsere ganze Wohnung ist jetzt voll von den Wunderwerken der Evolution. Scheiß auf Chemie, es lebe das Klima! Äh, oder so ähnlich.
Studenten auf Abwegen
Es ist durchaus beachtenswert, wenn sich Menschen für hehre Ziele einsetzen, aber undurchdachte, und vor allem sinnfreie Mini-Revolutionen anzetteln zu wollen, vermittelt für mich immer den Eindruck von „einmal Che Guevara spielen“ oder sich mit auch mal mit „linken Idealen schmücken“. Da saß ich gestern in einem Seminar in der Uni, kurz vor der zugehörigen Klausur. Die letzte Sitzung und man wollte noch ein paar Hinweise mitnehmen. Als dann der „Zirkus-Auftritt“ der ach so sozialen Mini-Revoluzzer begann. Mit Megaphon, Tröten und Rasseln wurde der Seminarraum gestürmt und wir aufgefordert uns der Demo gegen Studiengebühren anzuschließen. Wir gucken uns alle fragend an: was für eine Demo denn? Dafür dass keiner von uns etwas von dieser ominösen Demo wusste, obwohl man ja tagelang an der Uni rum rannte, war der Wanderzirkus bereits dabei, wilde Thesen skandalierend, mit Füßen gegen die Tür zu treten, ist in Polonäse-Manier um die Tischreihen gezogen und immer wieder hörte man Rufe wie „Studiengebühren sind unsozial, Gleichheit für alle, usw.“. Klingt ja erstmal nicht verkehrt, an solche Ideale glaube ich ja prinzipiell auch. Aber bitte nicht im Zusammenschluß mit den Studenten dieser Uni. Bittere Erfahrungen der ersten paar Tage haben meinen alten linken Glauben schnell stürzen lassen. Was haben wir nicht alles versucht zu starten? Presse-Besuche, Radiobeiträge, Termine im Uni-Präsidium, Aufrufe während Vorlesungen, doch wahrgenommen hat es keiner. Ernüchterung hat sich breit gemacht. Vielleicht waren wir ganz einfach nicht plakativ genug. Denn ein Aufruf zur Demo scheint ja durchaus Studenten mobilisieren zu können. Nur frage ich mich welche? Es gab an unserer Uni dieses Semester 2000 Neueinschreibungen, aber nur ca. 85 Personen haben Presseberichten in taz und NWZ zufolge einen Kredit zur Finanzierung dieser in Anspruch genommen, so auch ich. Mit 85 Personen eine Demo starten zu wollen, dazu noch mit kindischem „gegen Türen treten“ und überholte plakative Sprüche brüllend scheint mir irgendwie sinnfrei. Und ich frage mich, wer denn da was von fehlender sozialer Gerechtigkeit gebrüllt hat. Ein junger Student, der gerade von zu Hause ausgezogen ist und dessen Eltern seine Studiengebühren bezahlen? Genauso sinnfrei wie ein Treuhand-Konto zur Verwaltung von Studienbeiträgen, bei denen fiktive Zahlen von 2500 Studenten zur Zielerreichung des Boykotts im Raum stehen, die aber nirgendwo verfusst, sondern vom ASTA ausgedacht sind. Soll die Uni vor sowas kuschen? Und nochmal hole ich die 85 raus. Na klar, es sind nur die Erstsemester, aber ist der Anteil von 2000 Neueinschreibern. Und nun kann man das ja mal auf die gesamte Studentenzahl der Uni Oldenburg hochrechnen. Wie wäre es denn dagegen mit meiner Ansicht nach eher realistischen Zielen? Studiengebühren dienen der Verbesserung der Lehre, unmittelbar, also direkt die Situation des Zahlenden betreffend, dieser soll eben nicht erst spätere Semester finanzieren. In vielen Fachbereichen läuft es jedoch nicht besser. Im Gegenteil, es gibt fundierte Zahlen, die das Gegenteil nahelegen. Denn bei mehr Studenten, aber gleicher Anzahl der Dozenten, kann augenscheinlich keine Verbesserung stattgefunden haben. Sowas ist angreifbar, aber gesetzlich beschlossene Studiengebühren mit fiktiven Zahlen bombardieren zu wollen ist wie der Kampf gegen Windmühlen. Vor allem mit dem Wissen, dass die Demos letztes Jahr schon nichts gebracht haben. Doch es scheint das ewig gleich Los der Linken zu sein, sich auf festgefahrenen Wegen immer wieder verlaufen zu wollen. Nein, ich habe nichts gegen Demos, solange sie sinnvoll gestaltet sind. Nach wie vor glaube ich, dass sie ein wichtiges Mittel zur Öffentlichkeit sind. Aber wie will man mit solchen Aktionen Menschen überzeugen? Mir schien es eher, dass es den „Demonstranten“ darum geht, mal an in einer Demo mitzulaufen und Rambazamba zu machen, als dass sie wirklich von der Sache überzeugt sind. Sich halt einmal mit „linken Idealen“ schmücken, damit man nicht mehr der langweilige Student auf Lehramt ist, der in seiner Jugend nichts erlebt hat. Außerdem lebt man ja nicht mehr bei den Eltern, es drohen also keine sozialen Sanktionen. Sowas erinnert mich immer an früher, als auf gut durchgeführten Anti-Nazi-Demos plötzlich von revolutionären sechzehnjährigen Flyer verteilt wurden, auf denen stand: „Nazis auf die Fresse hauen“. Da hab ich eigentlich ja nichts gegen, aber solche Flyer kann man nun mal nicht über sechzigjährigen in die Hand drücken, die eigentlich vom Ziel der Demo überzeugt waren, sich dann aber sehr schnell abgewendet haben. Und auch möchte ich mich mit solchen „Kindern“ nicht gemein geben, deswegen laufe ich u. a. auch in keiner Demo gegen Studiengebühren mit, wenn die Hintergründe so unfundiert sind. Zumal ich meine Ideale gegen Studiengebühren und für soziale Gerechtigkeit nicht mit Menschen gleichschalten kann, wenn diese sich schön von den Eltern finanzieren lassen. Das passt für mich irgendwie nicht zusammen, wenn man dann dagegen wettert. Selbstredend will diese Erklärungen keiner der Demonstranten hören, dafür wird man dann gerne mal als Konservativer, Rechter oder Bonze beschimpft. (Na klar, mein Nebenjob bringt mir unglaubliche Reichtümer und die Bafög-Schulden sind für mich ein Klacks.) Rechtfertigungen oder Erklärungen passen ebenso nicht ins Bild pseudo-moralischer Revoluzzer wie andere Facetten der Kritik an Studiengebühren und Co. Wenn man hier gegen diese Form des Protestes ist, dann ist man eben kein linker Student, sondern ein unsozialer Spalter. Nun ja, vielleicht war es falsch, dass ich früher auf vielen Demos mitgelaufen bin, Häuser besetzt und auch mal Faschos verprügelt habe, aber wenn man irgendwann von einer Hundertschaft mal richtig Prügel bezogen hat, dann macht man sich auch mal weiterführende Gedanken und weiss, warum man sich mit solch plakative Ansichten nicht mehr gleichschalten will und den „Kampf“ an anderer Stelle aufnehmen möchte, anstatt weiter gegen die Windmühle zu reiten.
veröffentlicht: zeit campus newsletter
Entscheidungen und Optionen – von schlecht bis geht nicht mehr
Es ist kalt, dunkel und es regnet. Ich höre den Regen gegen das Klofenster klopfen. Das Abenddunkel und das Gefühl des Tagesausklangs werden verstärkt durch die durchgebrannten zwei Glühbirnen in der Deckenleuchte, in der jetzt nur noch die eine funktionstüchtige ihren Dienst verrichtet. Die Auswahl an Lektüre ist auch nicht gerade berauschend, das ADAC Monatsblatt habe ich schon durchgeblättert, obwohl ich gar kein Auto mehr mein eigen nennen kann und auch selten noch aktiv fahre. Die Mitgliedsschrift meiner Bausparkasse rechnet mir vor, wie ich ganz toll Vermögen anhäufen kann durch baussparen. Als ob das stimmen würde, sonst wäre wohl die halbe Republik schon reich, oder zumindest auf dem Weg dahin. Den Rundbrief eines wahnsinnigen Gläubigen aus dem rechten Kreis der national Verwirrten habe ich auch schon mehrfach durchgelesen, selbst der hat seinen Witz verloren. Bleibt mir nur noch die überregionale Wochenzeitung von vorletzter Woche, die ich aber auch wohl schon zu 99% durchgelesen haben dürfte, um mir die Sitzung in unserem 1×2,5m großen Badezimmer mit Milchglasfenster, gegen das immer noch unerbittlich der Regen hämmert, erträglich zu gestalten. Dabei hätte ich eigentlich auch vorsorgen können, ist ja nicht die erste Sitzung heute, eher wohl die vierte, glaube ich. Der Alkoholkonsum der letzten zwei Wochen hat Spuren hinterlassen, mein Magen dürfte eher einem Granatenfeld gleichen als einer grünen, saftigen Wiese in einem intakten Ökosystem. Ein komischer Vergleich, könnten man meinen, aber ich lese gerade mal wieder etwas über die globale Erwärmung und die Reduktion den CO²-Ausstosses in unsere Atmosphäre. Es kam mir also gerade so in den Sinn, dabei offenbart der Artikel auch nicht gerade grundlegend Neues, das Meiste hat man schon einmal vernommen. Um die Situation weiterhin etwas unterhaltsamer zu gestalten, blättere ich mal weiter, bis ich auf einen Artikel stoße, den ich tatsächlich noch nicht gelesen habe. In diesem geht es um Menschen, die ihren Kopf nicht abstellen können, deren Gedanken sich ewig im Kreise drehen und die nie zu einem Ergebnis kommen. Ein Zeichen von Depression, so entnehme ich es dem Geschriebenen, denn dieser Typus neigt auch dazu, sich durch die ewige Rotation von anderen Menschen abzusondern, sich nicht mitzuteilen, erörtert Probleme nicht gemeinsam und zieht sich in die eigene Gedankenwelt zurück. Interessant, habe ich vorher noch nie von gehört und versinke dabei in Gedanken, bis ich mich dabei ertappe – wachgerüttelt von meinem Mitbewohner, der ebenfalls gerne ins Bad würde – wie ich an einer Frage hängenbleibe. Denn etwas gibt der Artikel nicht preis, und zwar, wie man denn seine Gedankenwelt anhalten soll. Ich hab da ja meine so eigene These und auch ein aprobates Mittel: Alkohol. Der stoppt den Kopf und man kann z. B. auch beruhigt einschlafen, bevor einen das Gedankenkarrussel nächtelange wachhält, aber er sorgt auch für diverse Nebenwirkungen, wie beispielsweise für einen leichten körperlichen Zerfall, den man dafür aber wohl in Kauf nehmen muss. So eine Nebenwirkung hat wohl jedes beruhigende Mittel. Aber das kennt wahrscheinlich fast jeder, nach einer großen menschlichen Enttäuschung z. B. kann man sich auch erstmal hervorragend mit Alkohol betäuben, um den ersten Schmerz zu verdrängen – und zwar durchaus auch über mehrere Tage, zur Not auch Wochen. Nun, nach der Frage nach einem guten Mittel, um seinem Gedanken auch mal die nötige Pause zu verordnen, stellt sich mir eine weitere, die sich wohl eher nur hypothetisch beantworten lässt. Denn sie bietet nur zwei mögliche Antworten, die aber auch bedeuten, dass man nur zwischen dem einen und dem anderen Übel wählen kann. Doch die Wahl zwischen Depressivität und Alkoholsucht dürfte keinen zufrieden stellen. Aber so scheint es doch letztendlich, entweder man dreht durch und wird depressiv oder man haut sich die Birne so dermaßen mit Alkohol zu, bis man sich dem nicht mehr entsagen kann, ganz vereinfacht dargestellt – und der Alkohol dient hier stellvertretend für diverse Suchtmittel.
Derweil reift in meinem Kopf eine dritte Frage heran, die aber wohl eher nur für mich interessant ist, und so denke ich gerade intensiv über diesen Gedanken nach und stelle fest, dass ich nicht ohne Grund seit Tagen mehrere Sitzungen im Bad abhalte. Doch ich muss nun abrupt abreißen lassen, mein Mitbewohner klopf erneut, es drängt, sagt er. Nun gut, ich sollte wohl auch Zeitschriften kaufen gehen, glaube ich, meinem Magen wird es so schnell nicht besser gehen, denn nach dem Kioskbesuch steht schon das nächste Besäufnis an, wie mir gerade am Telefon mitgeteilt wurde. Schönen Abend noch!
Unterschätzt?
Neulich, beim Einkaufen, da ist es mir passiert, und ich dachte immer, mir passiert das nicht.
Da war ich doch reichlich verwundert, was mir da widerfahren ist – und es geistert immer noch vor meinen Augen herum. Nein, ich habe kein weibliches Wesen auf die plumpe Art und Weise angemacht, indem ich ihr meinen Einkaufswagen in die Beine rammte, um sie dann aufzufangen und nach ihrer Nummer zu fragen. Obwohl der Auslöser meiner Verwunderung doch weiblicher Natur war. Jedoch war sie nun gänzlich nicht meine Traumfrau, vielleicht lag das an ihrer leichten Taubheit oder an ihrem Alter von geschätzten 80 Jahren, dennoch sprach sie mich an. Es lag an ihrer leichten Blindheit, dass wir ins Gespräch kamen, denn sie konnte die Preisetiketten nicht mehr richtig entziffern und bat mich um Hilfe. Während ich mich dazu herabließ, fing sie an zu erzählen, dass es ja auch egal sei, ob Preise noch leserlich seien, die Kasse würde ja eh alles automatisch abrechnen, was auch besser sei, denn lesen und rechnen könnten die Auszubildenden an den Kassen heutzutage ja eh nicht mehr. In ihrer Rage erzählte sie mir von der Azubine beim Schlachter nebenan, die nicht einmal mehr zwei und zwei zusammenzählen könne. Schuld an der allgemeinen Jugenddemenz seien vor allem die ganzen Maschinen und Computer im heutigen Zeitalter – sie dagegen hätte ja noch lesen gelernt. Und dann passierte es: sie fragte mich, ob ich denn überhaupt noch lesen und rechnen könne, oder ob mich die Maschinen während meiner Erziehung auch schon so verdorben hätten. Da war ich erst mal baff. Ich? Ich versuchte mich in Aufklärung und ihr beizubringen, dass ich ja nun auch schon knapp 30 Jahre alt sei und zum größten Teil noch ohne Computer, dafür aber mit viel Natur und Basteln aufgewachsen sei. Sie war völlig erstaunt und entgegnete, dass ich eher den Eindruck eines ca. 20jährigen bei ihr gemacht hätte. Und da war er, der nächste Schlag. 20? Das muss man erst mal verdauen. Bisher kannte ich sowas nur aus Geschichten kleinwüchsiger Freundinnen, die ständig ihren Ausweis vorzeigen müssen, aber auch mein Alter haben. Geschichten aus der anderen Perspektive, dennoch für mich eher zum Lachen und Herziehen. Aber das Gefühl ist wohl dasselbe, denke ich, denn ich fühlte mich in dem Moment wütend, minderwertig, zweifelnd, unterschätzt. Man fühlt sich nicht ernst genommen, nicht den eigenen Fähigkeiten entsprechend. Jetzt kann ich das Gefühl der Menschen verstehen, die nur rund 1,55m groß sind und auch nie ernst genommen werden. Nur ist mir das mit knapp 2m noch nie passiert, bis zu jenem Zeitpunkt. Bis dahin war ich aber auch immer jemand, der Menschen nach ihrem Äußeren abgeurteilt hat. Zumal mein Äußeres nun mal auch meinem Alter entspräche, dachte ich. Nun bin ich am Zweifeln über mich und mein Verhalten, über das Verhalten anderer. Aber vielleicht lerne ich noch dazu und gehe dazu über pauschale Urteile abzulegen und mich auch noch mit knapp 30 nicht völlig festzufahren und weiterzuentwickeln. Schließlich habe ich auch mal lesen und rechnen gelernt. 1+1=2, 2+2=3.
timo*broken|kid
Realität ? Oder nicht?
Oder erfindet das Fernsehen doch gar nicht so viel?
Ein komisches Gefühl, die Stufen zur Wache 2 hinauf zu schreiten. Erinnert an früher, als man noch jede zweite Woche beim Dorfbullen aussagen musste. Man fühlt sich irgendwie schuldig, dabei sind wir dieses Mal die Geschädigten, beziehungsweise mein Mitbewohner, dem heute morgen, während einer ambulanten OP, das Handy aus der Jacke gezogen wurde. Na ja, war ja auch ziemlich dämlich, das da drin zu lassen.
Während er die Anzeige zu Papier brachte, was lediglich eine gute Stunde gedauert hat, und ich ungefähr 200 Seiten hochinformativer Broschüren zum Thema Drogen und Gewalt gelesen habe, konnte ich wenigstens den Geschichten angeblich Geschädigter lauschen. Dabei stellte sich auch der wirkliche Nutzen dieser Heftchen heraus ? man kann prima das Lachen dahinter verbergen.
Eine Dame, die ihr gerade erworbenes Fahrrad codieren lassen wollte, konnte man ja noch verstehen. Auch wenn der Beamte ihr freundlich klar zu machen versuchte, dass die Laufradgröße nicht unbedingt ein alleinstellendes Merkmal ist. Doch der Drachentöter mit den Wanderschuhen und kaum noch Haaren auf dem Kopf, der wohl schon circa fünfzig war und fast weinte, sorgte wirklich für erheiternde Momente. Er wollte Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstatten, wusste aber nicht so recht, gegen wen. Der Beamte versuchte, ihm zu erklären, dass das eine Anzeige gegen Personen sei, der Langhaarige konnte das aber nicht ganz nachvollziehen. War er doch so verängstigt, weil ein angeblicher Angestellter des Arbeitsamtes sich unbefugt Zutritt zu seinem Grundstück verschaffte hatte und die Wohnung sehen wollte. Er fürchtete regelrecht um seine Gesundheit. Ich hatte da sogar etwas Mitleid mit dem Beamten und hätte ihm gerne aufmunternd zugelächelt. Er versuchte gerade zum fünften Mal zu erklären, dass so eine Anzeige eine recht ?windige? Sache wäre und wenig sinnvoll, doch drehte sich das im Kreis. Der arme, ängstliche Mann berichtete kurz, dass er dem Arbeitsamt eine Beschwerde schicken wolle. Der Beamte riet ihm daraufhin, doch einfach auf eine Anzeige hinzuweisen und komplimentierte ihn hinaus. Schade eigentlich, denn der war recht unterhaltsam.
Der Typ danach war aber nicht minder zeitvertreibend. Eine heikle Sache hätte er, so brachte er vor. Seine Kinder seien bei seiner Freundin, und die wollte ihm die Tür nicht mehr aufmachen. Zudem hätte sie die Kinder so beeinflusst, dass diese auch nicht mehr mit nach Hause wollten. Der Beamte versuchte zu erörtern, was vorgefallen sein könnte, und fand heraus, dass er wohl tatsächlich das Sorgerecht hat, eigentlich Witwer ist und die Frau nur seine Freundin. Warum sie einen Grund dazu habe, die Kinder festzuhalten, wollte der freundliche Kriminaler wissen. Der Mann geriet leicht ins Stammeln, stotterte was von einer zweiten Freundin und dass seine Hauptfreundin das rausgefunden hat. Ein Eifersuchtsszenario erster Fernsehgüteklasse, dessen Ende ich aber leider verpasste, denn genau jetzt rief man zum Aufbruch. Schade eigentlich, aber da geh ich jetzt wohl mal öfter hin.
timo|broken|kid * veröffentlicht: ox66